Unsere Kinder verbringen bis zu 90 % ihres Tages in Innenräumen – in Schulen, Kitas, zu Hause und an Orten, an denen sie lernen, spielen und ihre Zukunft gestalten.
Doch ist die Luft, die sie dort atmen, wirklich sicher?
Diese Frage dürfen wir nicht länger aufschieben.
Gesunde Innenraumluft ist kein Luxus. Sie ist eine Voraussetzung für Gesundheit, Lernen und Entwicklung. Sie kann dazu beitragen, Infektionsrisiken zu reduzieren, Kinder bei extremer Hitze zu schützen und ihnen auch dann einen sicheren Raum zu geben, wenn die Außenluft belastet ist.
Jeder Atemzug zählt.
Kinder atmen jeden Tag tausende Liter Luft. Deshalb müssen wir wissen, was in dieser Luft enthalten ist, Belastungen sichtbar machen und wirksame Lösungen umsetzen.
Die gute Nachricht: Wir müssen nicht bei null anfangen. Die Technologien sind vorhanden. Sensoren, Lüftungssysteme, Filter und Luftreiniger können dazu beitragen, die Innenraumluft deutlich zu verbessern. Was fehlt, ist nicht allein die technische Möglichkeit – es fehlt vor allem die konsequente Umsetzung.
Dabei geht es auch um die Frage der Kosten. Doch wir sollten nicht nur fragen, was eine Transformation kostet.
Wir müssen auch fragen: Was kostet es uns, nichts zu tun?
Krankheiten, Fehlzeiten, überlastete Gesundheitssysteme und wiederkehrende Infektionswellen haben einen hohen menschlichen und gesellschaftlichen Preis. Investitionen in gesunde Innenraumluft sind deshalb Investitionen in Gesundheit, Bildung, wirtschaftliche Stabilität und die Widerstandsfähigkeit unserer Gesellschaft.
Wir haben Gebäude jahrzehntelang effizienter gemacht. Jetzt müssen wir sie auch gesünder und resilienter machen.
Denn ein nachhaltiges Gebäude darf nicht nur Energie sparen.
Es muss die Menschen schützen, die darin leben, lernen und arbeiten.
Und es gibt Grund zur Hoffnung: Weltweit wächst eine Bewegung für gesunde Innenraumluft. Der vom Air Club initiierte Aufruf mit 350 Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern aus 57 Ländern zeigt: Das Bewusstsein wächst. Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft beginnen, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.
Nach dem Jahrhundert des sauberen Wassers könnte jetzt die Zeit für ein neues globales Ziel gekommen sein:
Das Jahrhundert der gesunden Innenraumluft.
Kein Kind sollte schlechtere Bildungschancen haben, weil die Luft in seiner Schule nicht gesund ist.
Kein Kind sollte einem vermeidbaren Gesundheitsrisiko ausgesetzt sein, nur weil es einen Raum betritt.
Und kein Kind sollte durch schlechte Luft sein Leben verlieren.
Wir haben das Wissen.
Wir haben die Technologie.
Wir haben die Möglichkeit.
Jetzt brauchen wir den gemeinsamen Willen, zu handeln.
Für jedes Kind.
In jeder Schule.
In jedem Land.
Lassen wir unsere Kinder gesund lernen, gesund leben und frei atmen.
Denn jeder Atemzug zählt.
Autor:
Heike Krüger, Vorstands-Vorsitzende
(der Text ist inspiriert durch die Redner der United Nations High-Level Side Event vom 24.09.2026
Link Healthy Indoor Air in Schools)

