Gesundheitsgefahren durch Laserdrucker stoppen! − Yes, we can!

Liebe Stifterinnen und Stifter, liebe Leserinnen und Leser,

immer mehr Menschen leiden unter chronischen Entzündungen der Atemwege. Diese für den Einzelnen und die Gesellschaft bedrohliche Entwicklung hat Ursachen, die jedoch oft im Dunkeln bleiben. Vor diesem Hintergrund ist unser Engagement für gesunde Raumluft zu sehen.

Die ungefilterten Emissionen von Feinstäuben und Giften aus Laserdruckern und Kopiergeräten, denen Millionen Menschen ahnungs- und schutzlos ausgeliefert sind, stehen weiterhin im Mittelpunkt unserer Arbeit, denn Sie haben viel Unheil angerichtet und müssen schnellstens gestoppt werden. Wir haben keinen Zweifel, dass dies gelingen wird!

Im zweiten Jahr unserer Stiftung haben wir unser umfassendes Informations- und Betreuungsangebot weiter ausgebaut. Rund 50 Kontaktstellen in Deutschland aber auch in Österreich, der Schweiz und England kümmern sich auch um die Betroffenen.

Leider ist es uns noch nicht gelungen, die Politik wachzurütteln. Der Bundestag hat den Antrag der Grünen, die Bevölkerung zu schützen abgelehnt und die Regierung hält es für ausreichend, dass die Industrie an den emittierten Partikeln forschen lässt. Dies ist ungefähr so, als würde man die T abakindustrie bitten, zu untersuchen ob Zigarettenqualm schädlich ist.

Nachdem es 2008 gelungen war, kompetente Wissenschaftler im Freiburger Kreis zusammen zu führen und durch erste Untersuchungen der Universität Rostock Tonerpartikel in Lungenzellen eines verstorbenen Krebspatienten nachzuweisen, rückte die Förderung der wissenschaftlichen Forschung 2009 zunehmend in den Mittelpunkt unserer Arbeit. Sie ist der Schlüssel zur Aufklärung und Lösung des Problems. Mit einer Expositionsstudie ließen sich die Schädigungen schnell nachweisen, doch die Bundesregierung blockt.

Mit unserer Forschungsinitiative 2009 haben wir im Herbst Untersuchungen an Instituten in Hamburg, Essen und Freiburg ermöglicht. Die ersten Ergebnisse deuten auf eine generelle Gen- und Zellschädigung!
Unser Engagement erfährt zunehmend Unterstützung von Wissenschaftlern, den Medien, aus Politik und Wirtschaft, von Gewerkschaften und von Bürgern. Die Gewerkschaft der Polizei hat unsere Stiftung für den Gefahrstoffpreis 2010 nominiert. Wir schätzen uns glücklich, dass wir auf Empfehlung von Prof. Ernst-Ulrich von Weizsäcker mit Herrn Prof. Dr. Georges Fülgraff einen Schirmherrn mit höchster fachlicher Kompetenz und Ansehen gewinnen konnten.

Für das entgegengebrachte Vertrauen und die Unterstützung möchten wir uns ganz herzlich bei allen bedanken.

Das Erreichte ist für uns Ansporn, uns mit aller Kraft weiter für gesunde Raumluft zu engagieren, denn Atmen heißt Leben.

Herzliche Grüße, Ihr

Achim Stelting

Finanzen

Dank des Engagements einer stetig wachsenden Zahl von Helfern ist es 2009 gelungen, weitere sechs Zustifter und viele Spender zu gewinnen. Der 100. Stifter stammt aus Österreich und signalisiert den Weg zur internationalen Stiftung. Trotz der schwierigen Wirtschaftslage ist es uns möglich gewesen, deutlich in die wissenschaftliche Aufklärung zu investieren.
Der Aufsichtsrat hat mit Zustimmung des Vorsitzenden der Stifterversammlung dem Vorstand Entlastung für das Geschäftsjahr 2008 erteilt.
Der Finanzbericht 2009 ist als Anlage beigefügt.

Öffentlichkeitsarbeit

nano-Control hat das umfangreiche Informationsangebot weiter ausgebaut und optimiert. Im Mittelpunkt steht die Webseite www.nano-control.de, die immer mehr Besucher anzieht. Neben kompakten Informationen auf Flyern und Info-Blättern, z.B. für Arbeitgeber und Unternehmen oder die Gesundheitsrisiken durch Feinstäube und Nanopartikel, steht seit Januar 2009 auch der selbst produzierte Film Vorsicht, Toner-Feinstaub zum Download bereit. Namhafte Experten, wie Herr Prof. Michael Braungart oder Herr Dr. Hermann Kruse, Toxikologe und Mitglied der Innenraumluftkommission, warnen eindringlich vor den Gesundheitsgefahren!

Auf Empfehlung von Herrn Prof. Dr. Ernst-Ulrich von Weizsäcker konnte die Stiftung Herrn Prof. Dr. Georges Fülgraff als Schirmherren gewinnen. Herr Prof. Dr. Georges Fülgraff ist Toxikologe, Präsident des Bundesgesundheitsamtes a. D., Staatssekretär im Bundes- gesundheitsministerium a. D. und zweimaliger Träger des Bundesverdienstkreuzes.

Die Stiftung ist dem Bundesverband Deutscher Stiftungen (BVDS) beigetreten und hat sich auf Ihrer Stifterversammlung im September 2009 in Berlin zu den „Grundsätzen Guter Stiftungspraxis” bekannt und diese einstimmig beschlossen.

nano-Control hat sich an der Kampagne „Geben gibt” beteiligt und wurde für den Engagementpreis nominiert. Das Anliegen der Kampagne war u.a. die Förderung des Bekanntheitsgrades der Formen des bürgerlichen Engagements, die Gewinnung von Menschen und der Ausbau einer Anerkennungskultur.

In einem Widerspruchsverfahren gem. Verbraucherinformationsgesetz verlangt die Stiftung vom Bundesinstitut für Risikobewertung die Nennung der geheimgehaltenen Teilnehmer einer Expertenrunde. Am 16.10.2007 hatte das BfR die Ergebnisse der sog. Tonerpilotstudie diskutieren lassen und völlig überraschend für die Teilnehmer während der laufenden Beratungen in der Mittagspause eine Pressekonferenz abgehalten. Unter Rückgriff auf eine unveröffentlichte Untersuchung des WKI Braunschweig, verbreitete das BfR die Schlagzeile: „Ultrafeine Partikel aus Laserdruckern überwiegend kein Toner” und lenkte damit von den Ergebnissen der sog. Tonerstudie ab. Diese hatte signifikant erhöhte Partikel-Emissionen, metallische Nanopartikel und auffällige Erkrankungen festgestellt!

Politische Präsenz zeigte die Stiftung durch Teilnahme des Vorsitzenden am Expertengespräch am 28.1.2009 im Umweltausschuss des Deutschen Bundestages und als Referent auf der Innenraumluftkonferenz am 24.6.2009 in Berlin, sowie durch hartnäckige Überzeugungsarbeit gegenüber Bundesministerien, Fraktionen und Behörden. Im Vorfeld des Bundestagswahlkampfes wurden Abgeordnete und die Bundesminister für Gesundheit, Umwelt, Verbraucherschutz und Arbeit informiert und um Unterstützung bei der weiteren wissenschaftlichen Aufklärung gebeten. Die Bundesregierung hält es allen Ernstes für ausreichend, dass die Industrie durch das von ihr beauftragte WKI Braunschweig die emittierten Partikel näher untersuchen lässt. Wiederholt wurde von dort verbreitet, dass die Partikel überwiegend kein Toner sind. Damit wurde der öffentliche Irrtum genährt, es würde überhaupt kein Toner emittiert. Dies glaubt sogar der Bundesumweltminister!

Mit einer ersten lokalen Informationskampagne für niedergelassene Fachärzte in Osnabrück, Kassel und Bamberg, wurden gezielt Flyer und Flugblätter für Mediziner verteilt. Informationsveranstaltungen in Hamburg, Thüringen, Berlin, Thüringen und Sachsen rundeten das Informationsangebot der Stiftung ab.

Der Bundesvorstand der Gewerkschaft der Polizei hat im Dezember 2009 nano-Control aufgrund des Engagements für gesunde Raumluft für den Gefahrstoffpreis 2010 nominiert.

Die Medienpräsenz von nano-Control war 2009 mit nur fünf Meldungen bewusst zurückhaltend. Zunächst einmal müssen über die Wissenschaft Fakten geschaffen werden.

Die Stifterversammlung hat 2009 beschlossen, den Sitz der Stiftung nach Hamburg zu verlegen, da hier der Schwerpunkt der Arbeit liegt. Hamburg ist Stiftungsmetropole und wird 2011 Umwelthauptstadt Europas.

Fakten schaffen- Förderung der Wissenschaft

Die Wissenschaftsförderung ist Schwerpunkt und zugleich Grundlage für den Erfolg der Stiftungsarbeit. Nur über den wissenschaftlichen Nachweis der gesundheitlichen Schädigungen ist es möglich, Politik und Industrie zum Umdenken zu bewegen und Lösungen den Weg zu bereiten.

nano-Control wertet neue Forschungsergebnisse, Untersuchungen und Veröffentlichungen aus und aktualisiert ständig den Stand des Wissens auf der Webseite. Auch 2009 wurden wieder, wie jedes Jahr erhebliche Schadstoffbelastungen und Emissionen durch Laserdrucker nachgewiesen, z.B. durch die LGA Bayern, die seit über 10 Jahren für Computer Bild Untersuchungen durchführt. Die hohen Emissionen von Nanopartikeln sind lt. WKI Braunschweig überwiegend flüchtig und entstehen vor allem beim Aufschmelzen auf das Papier. Im Rahmen einer Doktorarbeit an den Universitäten Essen und Rostock wurden toxische Effekte von Tonern an Tierzellen nachgewiesen. Zunehmend rücken die Risiken der Feinstäube und Nanotechnologie ins Bewusstsein, nicht zuletzt aufgrund der Veröffentlichungen des Umweltbundesamtes. Erstmals wurden in China schwere und tödliche Lungenschäden bei Arbeiterinnen durch Nanopartikel aus Polyacrylat nachgewiesen, einem Tonergrundstoff. Brasilianische Forscher beobachteten gentoxische Effekte von Kopierer-Emissionen an Pflanzenzellen.

Mit der Forschungsinitiative 2009 hat nano-Control im Herbst im Vorfeld der dringend notwendigen humanen Expositionsstudie eine erste, rund 50.000 € teure Untersuchungsreihe an Instituten in Hamburg, Freiburg und Essen organisiert und überwiegend aus Spenden finanziert. Das Bundesumweltministerium war nicht bereit, die Untersuchungen zu fördern. Neben umfassenden Analysen der Emissionen durch die ARGE Hamburg wurden vor allem humane Expositionstests am Institut für Umweltmedizin in Freiburg durchgeführt und zwar sowohl an menschlichen Lungenzellen, als im Rahmen einer Reihenuntersuchung an Patienten. Am Institut für Pathologie der Universität Essen wurde menschliches Gewebe auf Toner untersucht. Die ersten Ergebnisse sind absolut erschreckend und deuten auf eine generelle Zell- und Gentoxizität, schon bei geringer Exposition!

Auf der Stifterversammlung am 5.9.2009 in Berlin wurde beschlossen, einen Stiftungspreis zu schaffen, der 2010 erstmals vergeben wird.

Lösungen fördern: Projekt sicher drucken

Mit dem Projekt sicher drucken, engagiert sich die Stiftung nano-Control mit Partnern aus der Forschung, der Wirtschaft, Gewerkschaften, Vereinen und Verbänden für Lösungen, denn die Gesundheitsrisiken durch Toner und Emissionen aus Laserdrucker sind vermeidbar, z.B. durch Einsatz professioneller Filter sowie moderner und kostengünstiger Tintenstrahldrucker. Die Stiftung gibt Tipps, die wirklich helfen und hat 2009 mit der Webseite www.sicher-drucken.de ein Portal geschaffen.
Die Forschungsergebnisse sollen für die Entwicklung und Optimierung von Lösungen und Produkten genutzt werden. So werden globale Umweltprobleme zu globalen Marktchancen für deutsche und europäische Unternehmen.

Hilfe für Betroffene

Über 2100 Betroffene sind bereits registriert und dies ist nur die Spitze eines globalen Problems, denn viele Millionen Menschen sind allein in Deutschland den Emissionen von

Schadstoffen, Feinstäuben und Nanopartikeln ahnungs- und schutzlos ausgesetzt. Immer mehr Betroffene aus der ganzen Welt melden sich.

Die Stiftung hat Ende 2009 die Betreuung der Betroffenen und die Webseite www.krank-durch-toner.de von der Interessengemeinschaft Tonergeschädigter übernommen, die nach zehnjähriger Arbeit am 31.12.2009 aufgelöst wurde.

nano-Control bietet mit rund 50 Kontaktstellen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und England geschädigten Menschen kompetente und persönliche Beratung. Die Geschädigten werden mit ihren gesundheitlichen Problemen oft allein gelassen. Statt Hilfe zu erhalten, stoßen sie auf Unverständnis und sehen sich nicht selten einem Mehrfrontenkampf gegen Arbeitgeber und Berufsgenossenschaften ausgesetzt. Zu den oft schweren Erkrankungen kommen früher oder später wirtschaftliche und soziale Schäden. Jeder fünfte wird laut einer Umfrage berufsunfähig.

Die Stiftung bemüht sich auch um verbesserte diagnostische und therapeutische Angebote. Die verbreitete Einsatz von Laserdruckern im medizinischen Bereich, z.B. in Arztpraxen, Kurklinken, und Krankenhäusern ist aus lufthygienischer Sicht völlig inakzeptabel.

Im September 2009 wurde erstmals vor einem deutschen Gericht eine chronische Atemwegserkrankung durch Kopierstäube aufgrund völlig eindeutiger Beweise als Berufserkrankung anerkannt. Das Schweizer Bundesgericht verwies die Ablehnung einer Berufskrankheit durch Tonerstäube aufgrund eindeutiger medizinischer Fakten an die Erstinstanz zurück.

Es bleibt festzustellen: Die oft schweren Schädigungen von Menschen durch Toner und Emissionen aus Laserdruckern lassen sich medizinisch-wissenschaftlich aufklären, juristisch nachweisen, technisch lösen und sind strafbar. Dies wird nicht ohne Konsequenzen bleiben!
Organe

  • Vorstand
    Hans-Joachim Stelting, Vorsitzender
    Christian Teper, Erster stellvertretender Vorsitzender Gabriela Michler, Zweite stellvertretende Vorsitzende Patrick Aue bis 30.3.2009, Jochen Kellner bis 14.9.2009
    Der Vorstand führte 2009 drei Sitzungen, davon eine gemeinsam mit dem Aufsichtsrat, sowie 22 Telefonkonferenzen durch.
  • Aufsichtsrat
    Bernhard Ziemer, Vorsitzender
    Josef Schumacher, stellvertretender Vorsitzender
    Elvira Lübke, Schriftführerin, Manuela Mayle, stellvertretende Schriftführerin
    Ralf Ketelhut, Prof. Dr. Wolfgang Huber, Karl-Jürgen Prull,
    Stefan Bald (seit 19.8.2009 ruhend).
    Der Aufsichtsrat führte 2009 zwei Sitzungen durch, davon eine mit dem Vorstand.
  • Stifterversammlung
    Die Stifterversammlung umfasste zum 31.12.2009 100 Stifter.
    Die jährliche Sitzung der Stifterversammlung fand am 5. und 6.September 2009 in Berlin statt. Auf das Protokoll wird verwiesen.
    Vorsitzender der Stifterversammlung war bis zum 5.9.2009 Bernd Guder.
    Als Nachfolger hat die Stifterversammlung Stefan Lissner gewählt und für das neu geschaffene Amt des Vertreters Ursula Böhm.
  • Beirat
    Über ein Dutzend Wissenschaftlicher, Mediziner, Juristen und andere Experten gehören dem Beirat an und beraten die Stiftung fachlich.

Danksagung

Allen Stiftern, Spendern, ehrenamtlichen Mandatsträgern und Unterstützern danken wir herzlich für die im Jahr 2009 geleistete Hilfe.

Download Jahresbericht 2009